Labrador Retriever

Beschreibung:

Der Labrador Retriever ist ein mittelgroßer und kräftig gebauter Hund, der seine Ursprünge in der Großbritannien hat. Ein Rüde erreicht eine Widerristhöhe von etwa 56 cm bis 57 cm. Hündinnen werden ein wenig kleiner. Sie werden in etwa 54 cm bis 56 cm groß.

Der Labrador Retriever hat einen breiten Kopf mit einem kräftigem Fang. Seine Ohren sind eher klein bis mittelgroß. Sie liegen dicht am Kopf an und sind hoch angesetzt. Die Augen eines Labrador Retrievers sind von mittlerer Größe und kommen in brauner oder haselnussbrauner Farbe vor. Sie sollen diesem Hund einen gutmütigen und intelligenten Ausdruck geben. Er hat eine mittellange, sich zum Ende verjüngende und am Ansatz sehr kräftige Rute.

Das Haarkleid dieser Hunde besteht aus dem kurzen, dichten Deckhaar und der überaus wetterbeständigen Unterwolle. Das Deckhaar ist außerdem ohne Befederung und fühlt sich ein wenig hart an. Labrador Retriever gibt es in den Fellfarben einfarbig schwarz, gelb oder leber/schokoladenbraun; gelb reicht von hellcreme bis fuchsrot. Die Fellfarben gelb und braun sind bei der Fellvererbung rezessiv gegenüber schwarz.[8]




Verwendung:

Als Ergebnis langjähriger Selektion auf jagdlich nutzbare Eigenschaften ist der Labrador ein Hund mit einer vorzüglichen Nase und mit einem weichen Maul, womit er gefundenes Wild oder andere Gegenstände unbeschädigt seinem Herrn zuträgt. Er ist sehr lernfähig und aufmerksam, beobachtet seinen Herrn dauernd und freut sich über jedes Lob. Diese Lernfähigkeit und Arbeitsfreude sollte man nicht nur bei der Ausbildung zum Jagd- oder sonstigen Arbeitshund nutzen, sondern auch beim reinen Familienhund.

Unterforderte, in ihren Arbeitsanlagen nicht geförderte Hunde neigen dazu, unerwünschte Verhaltensweisen zu entwickeln. Heutzutage findet man ihn wegen seiner vielfältigen guten Eigenschaften im Einsatz als vielseitigen Jagdhund, Blindenhund, Therapiehund, Drogenspürhund, Rettungshund oder Sportkameraden bei Agility und Flyball.

Aufgrund seines Wesens ist der Labrador als Wachhund oder Schutzhund ungeeignet, was nach Rassestandard auch unerwünscht ist. Darüber hinaus ist er ein geduldiger, nervenstarker, angenehmer und wirklich kinderlieber Familienhund, dem das enge Zusammenleben mit seinen Menschen über alles geht und der zu einem ausgewogenen Klima im Zusammenleben der Menschen erheblich beitragen kann.

Wesen:

Labrador Retriever sind sehr gutmütige und freundliche Hunde. Jegliche Art von Schärfe, Aggressivität oder Scheu gegenüber Menschen sind dem rassetypischen Labrador fern. Der Labrador Retriever verhält sich sowohl seiner Umwelt als auch Menschen gegenüber freundlich, aufgeschlossen und neugierig. Er fühlt sich in der Gegenwart von Menschen wohl und zeigt auch keine Scheu, Angst oder Unsicherheit, wenn diese ihm zu nahe kommen.

Der Labrador Retriever ist ein sehr geduldiger und ausgeglichener Hund. Dies rührt wahrscheinlich von seiner langjährigen jagdlichen Nutzung her. Als Apportierhund hatte der Labrador Retriever während der Jagd neben seinem Herrchen oder Frauchen zu liegen, bis das Wild aufgestöbert und geschossen war, um dann das tote Wild zu apportieren. Ein Retriever sollte ein „weiches Maul“ haben, er sollte die Beute ohne Beschädigung zum Hundeführer bringen. Geblieben ist dem Labrador Retriever auch seine Liebe zum Wasser und zum Apportieren.

Trotz seiner eigentlich sehr ruhigen Art benötigt der Labrador Retriever viel geistige und körperliche Beschäftigung. Ein Labrador Retriever bringt, wie auch ein Schäferhund, einen ausgeprägten will to please mit. Das bedeutet, er hat das starke Bedürfnis, seinem Besitzer zu gefallen. Diese Eigenschaft macht den Labrador Retriever zu einem Hund, der auch bei Anfängern sehr beliebt ist.




Herkunft und Geschichte:

Die Vorfahren des Labrador Retrievers stammten ebenso wie der Neufundländer und der Landseer von der kanadischen Ostküste. Namensgebend für die Rasse ist die Labrador-Halbinsel (sehr dünn besiedelte nordamerikanische Halbinsel im Osten Kanadas). Über die ursprüngliche Herkunft dieser Hunde besteht weniger Klarheit. Es gibt allerdings verschiedene historische Versionen.

Als „der wahre Labrador“ wurde der Labrador vom Neufundländer unterschieden[1] und im Verlauf des 19. Jahrhunderts in England gezüchtet, die Bezeichnung „Labrador Retriever“ wird erstmals im Jahr 1870 benutzt, wobei sich retrieve (engl. = apportieren) auf seine hervorragenden Apportieranlagen bei der Jagd bezieht. Beschrieben wurde der Labrador Retriever als mittelgroßer, kräftiger Hund mit typischem breiten Schädel und dicht behaarter „Otterrute“.

Im Gegensatz zum größeren Neufundländer hatte dieser kleinere und leichtere Hund eher die Aufgabe, bei der Jagd behilflich zu sein oder abgetriebene Fische und Fischernetze aus dem Meer zu bergen. Im Laufe des 19. Jahrhundert brachten ihn dann schließlich Fischer mit nach England. Dort gab man ihm auch den Namen Labrador.

Mit der züchterischen Weiterentwicklung in Großbritannien durch den zweiten Earl (Graf) Malmesbury (1778–1841) fand der wasserfreudige Hund schnell seinen Weg zu den jagdbegeisterten Adeligen. Bei der Reinzucht des Labradors wurde konsequent auf seine jagdliche Leistungsfähigkeit geachtet. „1870 wäre die Rasse beinahe ausgestorben.“[2] Alle heutigen Labradors gehen wahrscheinlich auf Avon zurück, geboren im Jahr 1885, als infolge einer kanadischen Hundesteuer die meisten Hunde getötet wurden.[3]

Der erste gelbe Labrador, der nicht als Fehlzüchtung betrachtet wurde, war nach Überlieferungen Ben of Hyde, 1899 in der Zucht des Major Charles Radclyffe geboren.[4] Da die Farbe nur rezessiv vererbt wird, wurde der gelbe Labrador erst später als Farbe neben schwarz anerkannt.

Als eigenständige Hunderasse wurde der Labrador am 7. Juli 1903 vom englischen Kennel Club anerkannt. Durch Erfolge bei Ausstellungen wurde seine Zucht rasch populärer. In den späteren Jahren entwickelten sich zwei Linien, die Showlinien mit kompakterer Statur, und die Arbeitslinien mit einem leichteren Erscheinungsbild.

Der braune („chocolate/schokoladenfarbene“[5]) Labrador konnte schon zuvor vorkommen, als Zuchtfarbe anerkannt wurde er erst durch den von Mrs. Pauling gezüchteten Ch. Cookridge Tango von 1961, Sohn von Tweed of Blaircourt (* 1958) und Cookridge Gay Princess (* 1956), der 1964 als Labrador anerkannt wurde.[6]

Heute ist der Labrador Retriever nicht nur in Großbritannien und den Vereinigten Staaten von Amerika[7] die beliebteste und am meisten verbreitete Hunderasse.

Gesundheitliches:

Wie bei allen großen und schweren Hunden besteht bei dem Labrador Retriever die Gefahr einer Hüftgelenksdysplasie (HD) sowie einer Ellenbogendysplasie (ED). Die Zuchthunde der dem VDH angeschlossenen Vereine unterliegen deshalb einer Kontrolle: Zwingend nötig für die Erteilung einer Zuchtzulassung ist die Röntgenaufnahme der Hüft- und Ellenbogengelenke und deren Beurteilung durch einen vom Verein bestimmten Gutachter. Ergibt diese Beurteilung einen mittleren (HD-D) oder einen schweren (HD-E) HD-Grad, so wird der Hund von der Zucht ausgeschlossen. Ein HD-Grad C (leichte HD) bedeutet keinen grundsätzlichen Ausschluss von der Zucht, jedoch geht mit einer solchen Beurteilung die Auflage einher, dass der betreffende Hund nur mit einem Hund gepaart werden darf, der frei von HD ist (HD A1–A2).[9] Bei der ED führt Grad II und III zum Zuchtausschluss.

Neben den oben geschilderten Skeletterkrankungen ist auch die Vererbung verschiedener Augenkrankheiten möglich. Hierbei handelt es sich um die Progressive Retinaatrophie (PRA), den erblichen Katarakt (HC) und die Retinadysplasie (RD). Im Falle von RD sind nur Hunde, die an der totalen Form (völlige Blindheit) erkrankt sind, von der Zucht ausgeschlossen, da sich bei den anderen Formen die Erblichkeit nicht nachweisen lässt. Zuchthunde müssen regelmäßig auf PRA, erblichen HC und RD getestet werden. Ein negativer Befund muss bei jedem Deckakt vorgelegt werden.[10] Bei der PRA ist, sofern der Hund nicht bekanntermaßen PRA-freie Eltern hat, ein Gentest für die Zuchtzulassung erforderlich.

Epilepsie folgt beim Labrador einem polygen rezessiven Erbgang.[11] Die Prävalenz lag in einer dänischen Studie bei 3.1%. Rüden scheinen gegenüber Hündinnen ein wesentlich erhöhtes Risiko zu haben.[12]

Eine weitere rassespezifische Krankheit ist die Labrador-Myopathie. Diese erbliche Muskelerkrankung folgt einem einfach autosomal rezessiven Erbgang und ist mit einem Defekt im cnm-Locus auf Chromosom 2 vergesellschaftet.[13][14] Klinisch äußert sich die Erkrankung typischerweise ab dem Alter von 3 bis 4 Monaten, verläuft bis zum Alter von ca. einem Jahr progressiv und stabilisiert sich dann. Symptome sind schnelle Ermüdung bei Belastung, Megaösophagus, Muskel-Atrophie und Verlust des Patellarsehnenreflexes. Histopathologisch ist eine Atrophie der Typ-II-Muskelfasern feststellbar.

Ähnliche Symptome wie bei der Myopathie treten beim Exercise Induced Collapse (EIC) auf. Diese Krankheit wird ebenfalls autosomal-rezessiv vererbt, tritt hauptsächlich bei Labrador Retrievern auf und äußert sich dadurch, dass betroffene Tiere bei längerer starker Anstrengung zunächst einen schwankenden Gang entwickeln und schließlich kollabieren können. Nach einer Ruhepause tritt aber in der Regel eine vollständige Erholung ein.[15]

Die Fibrinoide Leukodystrophie (Alexander's Disease) ist eine sehr selten auftretende und sich schnell verschlechternde erbliche Erkrankung des Rückenmarks mit Lähmungen und Bewegungsstörungen. Sie entwickelt sich aus bislang ungeklärter Ursache innerhalb des ersten Lebenshalbjahres.[16][17] Die Axonopathie des Labradors ist eine Degeneration der weißen Substanz, die bei Welpen mit Hinterhandschwäche beginnt und sich zu übersteigerten Bewegungen (Hypermetrie) mit Neigung zum Umfallen entwickelt.[18] Der Erbgang ist vermutlich autosomal rezessiv. Beide Erkrankungen sind nicht behandelbar.

Die angeborene Harnleiterektopie tritt bei der Rasse ebenfalls überdurchschnittlich häufig auf.

Insgesamt hat der Labrador Retriever (ähnlich wie der Golden Retriever) eine für mittelgrosse Hunde überdurchschnittlich hohe Lebenserwartung. In einer schwedischen Studie an 350.000 Hunden starben 7 Prozent aller Labrador Retriever vor dem Alter von fünf Jahren, 14 Prozent vor dem Alter von 8 Jahren, und 25 Prozent wurden keine 10 Jahre alt. Vergleichszahlen für den Durchschnitt aller Rassehunde liegen bei 22% (bis 5 Jahre), 23% (bis 8 Jahre) und 35% (bis 10 Jahre); für Mischlinge wurden 16%, 26% bzw. 35% gefunden.[19]

 

Literatur:

  1. 1814 von Colonel Peter Hawker in Instructions to Young Sportsmen, Textauszug „Geschichte des Labradors“
  2. Geschichte des Labradors
  3. Die Ursache, der Sheep Protection Act, war als Schutz der Schafzucht gedacht.
  4. Bild von Ben beim Apportieren
  5. Seltener auch „leberfarben“ genannt
  6. ibid., und Schlegl, Retriever, S. 11; siehe auch Bild von Cookridge Tango
  7. AKC Dog Registration Statistics
  8. Standard des Labrador Retrievers
  9. Zuchtordnung des LCD vom 1. Juni 2008, S. 2; Zuchtordnung für Labrador Retriever im DRC von 21. Juni 2008, S. 3f.
  10. Zuchtordnung des LCD vom 1. Juni 2008, S. 3; Zuchtordnung für Labrador Retriever im DRC von 21. Juni 2008, S. 4.
  11. A. Jaggy et al. (1998): "Genetic aspects of idiopathic epilepsy in Labrador retrievers." J Sm Anim Pract 39:275-80, PMID 9673903
  12. M. Berendt et al. (2002): "A cross-sectional study of epilepsy in Danish Labrador Retrievers: prevalence and selected risk factors." J Vet Intern Med 16(3):262-8, PMID 12041655

  13. L. Tiret et al. (2003): The cnm locus, a canine homologue of human autosomal forms of centronuclear myopathy, maps to chromosome 2." Hum Genet 113(4):297-306, PMID 12884002
  14. T. Bley et al. (2002): "Genetic aspects of Labrador Retriever myopathy." Res Vet Sci 73(3):231-6, PMID 12443679
  15. EIC FAQ - Exercise Induced Collapse in Labrador Retrievers and Related Breeds. Veterinary Diagnostics Laboratory, University of Minnesota. Abgerufen am 11. Februar 2012.
  16. JT. McGrath (1979) "Fibrinoid leukodystrophy (Alexander Disease)" In: Andrews EJ, Ward BC, Altman NH, eds. Spontaneous animal models of human disease Academic Press, New York, New York.
  17. DC. Sorjonen et al. (1987): "Myeloencephalopathy with eosinophilic refractile bodies (Rosenthal fibers) in a Scottish Terrier. JAVMA 190:1004-1006, PMID 3570949 (in Literaturreview)
  18. A. deLahunta et al. (1994): "Labrador retriever central axonopathy" Progress in Veterinary Neurology 5:117-122
  19. A. Egenvall et al.: "Mortality in over 350,000 insured Swedish dogs from 1995-2000: II. Breed-specific age and survival patterns and relative risk for causes of death." Acta Vet Scand 46(3): 121-36, PMID 16261925

 

 

Dieser Artikel basiert auf dem FCI Rassestandard:
Rassestandard Nr. 122 der FCI: Labrador Retriever
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