Landseer

Beschreibung:

Der Landseer ist ein großer, starker und harmonisch gebauter Hund, der seine Ursprünge in der Schweiz und in Deutschland hat. Ein Rüde erreicht die imposante Widerristhöhe von etwa 72 cm bis 80 cm. In manchen Fällen wird der Landseer sogar noch größer. Er wird außerdem mit 60.0 kg bis 75.0 kg recht schwer. Hündinnen werden deutlich kleiner und auch leichter. Sie werden in etwa 67 cm bis 72 cm groß und dabei 50.0 kg bis 55.0 kg schwer.

Die dreieckigen Ohren sind mittelgross und wenn sie gegen die Augen gelegt werden, reichen sie bis zum inneren Augenwinkel. Das Deckhaar ist durchsetzt mit Unterwolle. Auffällig ist die weiße Grundfarbe mit schwarzen Platten, die auf dem Rumpf und der Kruppenpartie verteilt sind. Der Kopf ist schwarz, als Zuchtfestigung gilt eine nicht zu breite symmetrische weiße Blesse und eine weiße Schnauzenpartie. Die Läufe, die Brust, der Hals, die Rute und der Bauch müssen weiß sein.




Verwendung:

Schon seit dem 19. Jahrhundert hat er den Ruf, Menschen eigenständig vor dem Ertrinken zu retten, weswegen er auch heute noch als Wasserrettungshund an Seen und an den Küsten eingesetzt wird. Eine weitere Verwendung findet der Landseer verstärkt auch als Therapiehund, da er generell sehr lernfreudig ist und ihn in der Regel eine Menschen gegenüber hohe Reizschwelle auszeichnet.

Darüber hinaus ist der Landseer auch ein beliebter Familien- und Begleithund.

Wesen:

Der Landseer gilt als wacher, aktiver und temperamentvoller als der Neufundländer. Er hat einen angeborenen Wach- und Schutztrieb und ist ein sehr menschenbezogener Hund. Als Erbe seiner spanischen Vorfahren, die über Jahrhunderte ihre Herden gegen Wölfe und Bären verteidigten, erkennt ein Landseer selbstständig Gefahren und ist in der Lage, instinktiv eigenständige Entscheidungen zu deren Abwehr zu treffen.

Zur Entfaltung seiner vielen positiven Eigenschaften benötigt der Landseer einen engen Kontakt zu seiner Familie. Aus diesem Grund ist diese Hunderasse nicht für eine Zwingerhaltung geeignet. Ideal zur Haltung eines Landseers ist ein Haus mit eingezäuntem Areal, wo sich der Hund frei bewegen kann.

Bei Spaziergängen ist er ein aufmerksamer Begleithund. Darüber hinaus ist er ein angenehmer und regelmäßig ruhiger Haushund, der nicht ohne Grund bellt. Zu Gästen des Hauses verhält er sich freundlich. Gegenüber Fremden verhält er sich wachsam und reserviert.

Entsprechend erzogen, ist der Landseer ein sehr gut geeigneter Familienhund. Daher erfordert das Halten eines Landseers eine zwar liebevolle, aber dennoch stets konsequente Erziehung, die möglichst frühzeitig beginnen sollte. Für einen Landseer, insbesondere für einen Rüden, darf seine (untergeordnete) Stellung im 'Rudel Familie' nie in Frage stehen, da er ansonsten versucht sein könnte, selbst die Führung zu beanspruchen. Eine Begleithundausbildung ist sinnvoll und zu empfehlen; für eine besondere Ausbildung als Schutzhund ist er demgegenüber eher ungeeignet, da eine sklavische Unterwerfung seinem Wesen fremd ist. 


Herkunft und Geschichte:

Der Landseer als eigenständige Hunderasse ist vergleichsweise jung. Sie entstand vor dem Hintergrund, dass der schwarzweiße Typ des Neufundländers Anfang des 20. Jahrhunderts in England mehr und mehr zurückgedrängt wurde und zu verschwinden drohte. Schweizer und Deutsche Kynologen begannen auf der Basis schwarzweißer Neufundländer aus England mit dem Aufbau einer eigenen Rasse, die sie – entsprechend der bereits verbreiteten Bezeichnung für diesen Farbschlag des Neufundländers – Landseer nannten. Im Jahr 1960 erkannte die FCI den Landseer als eigenständige Rasse an.

Der Name der Rasse rührt daher, dass der Maler Edwin Landseer, einer der bekanntesten englischen Tiermaler seiner Zeit, in seinen Gemälden und Zeichnungen um die Mitte des 19. Jahrhunderts einen bestimmten schwarzweißen Hunde Typ bevorzugte, der in Großbritannien unter dem Namen Newfoundland Dog, Neufundländer, bekannt war. Die Vorliebe des Malers führte dazu, dass dieser Hundetyp bald landläufig den Namen Landseer Dog bekam, ohne dass sich die offizielle Rassebezeichnung änderte.[1]

Der unmittelbar feststellbare Ursprung der Rasse sind Hunde, die von britischen Fischern aus Neufundland nach England gebracht wurden. Es ist anzunehmen, dass der Ursprung dieser Hunde in Europa lag, denn baskische Walfänger überwinterten lange vor den Briten im nördlichen Teil Neufundlands. Da es üblich war, auf Schiffen Hunde mit zu führen, ist es wahrscheinlich, dass diese Basken von großen nordspanischen Hunden begleitet wurden, die im Frühjahr häufig zurückgelassen wurden. So sind die optischen Gemeinsamkeiten mit dem großen spanischen Pyrenäenhund Mastín del Pirineo teilweise augenfällig. Möglicherweise haben der Neufundländer, der heutige Landseer und Pyrenäenberghunde Chien de Montagne des Pyrénées gemeinsame Vorfahren.

In Großbritannien wurden die Hunde als Newfoundland Dogs beliebte Hunde des englischen Adels und des Großbürgertums, mit denen man sich gerne schmückte. Die Zeichnungen Edwin Ladseers steigerten ihre Bekanntheit weiter.

1886 wurde der „Newfoundland Club“ in England gegründet, der sowohl den ursprünglichen weiß-schwarzen, als auch den seit etwa 1850 aufgetretenen schwarzen und rot-braunen Typ züchtete. Schon früh begann der Streit um einen Standard zwischen den Befürwortern des schwarzen und den Anhängern der weiß-schwarz gefleckten Hunde. Die Befürworter des schwarzen Typs setzten sich durch und es wurde angestrebt, beide Typen zu verschmelzen, worüber der ursprüngliche weiß-schwarze Typ immer weniger in Erscheinung trat und in England fast in Vergessenheit geriet. Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts begann die Renaissance des weiß-schwarzen Landseers, als schweizerische und deutsche Kynologen und Züchter letzte noch zur Zucht verwendbare Tiere aus England holten und die kontinental-europäische Reinzucht der Landseer aufbauten. Aufgrund der dominanten Vererbung der schwarzen Fellfarbe wurden zur Festigung des ursprünglichen weiß-schwarzen Charakters dabei auch Kuvasz sowie Pyrenäenberghunde als homozygot-weiße Rassen eingekreuzt.

Heutzutage unterscheiden sich die beiden aus den Newfoundland Dogs hervorgegangenen Rassen Landseer und Neufundländer deutlich. Der Kopf des Landseers wirkt nicht so massig, die Schnauze ist etwas länger und nicht so stumpf. Insgesamt ist er etwas größer und wirkt agiler als ein Neufundländer. Der schwarzweiße Neufundländer verschwand nicht, er hat neben der neu entstandenen Hunderasse Landseer auch weiterhin Bestand.

Literatur:

  1. Hans Räber: Enzyklopädie der Hunderassen. Bd.1, Franckh-Kosmos Verlag, Stuttgart 1993/2001, ISBN 3-440-06555-3, Der Neufundländer, der Landseer, S. 191.

 

Dieser Artikel basiert auf dem FCI Rassestandard:
Rassestandard Nr. 226 der FCI: Landseer
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