Norwegischer Lundehund

Beschreibung:

Der norwegische Lundehund ist ein kleiner, rechteckig gebauter Spitzhund. Die Widerristhöhe für einen Rüden dieser Hunderasseliegt zwischen 35 cm und 38 cm. Dabei erreicht er ein Gewicht von ungefähr 7.0 kg. Hündinnen werden zwischen 32 cm und 34 cm groß, bei einem Gewicht von ungefähr 6.0 kg. Der Lundehund weißt ein paar anatomische Besonderheiten auf.

Der norwegische Lundehund hat einen keilförmigen, mittelbreiten Kopf. Seine Augen sind leicht schräg gestellt und von einer gelb-braunen Iris geprägt. Er hat dreieckige Ohren von mittlerer Größe, die aufrecht getragen werden. Der Lundehund hat sehr besondere Ohren. Er ist in der Lage den Ohrknorpel zusammenzuziehen. So ist er befähigt die ansonsten aufrecht stehenden Ohren zuzuklappen und so den Gehörgang vor Dreck und Tropfwasser zu schützen. Der Lundehund hat eine hoch angesetzte, halblange und gut behaarte Rute. Diese wird zusammengerollt über dem Rücken getragen.

Eine weitere Besonderheit des Lundehunds sind seine Pfoten, die mindestens sechs Zehen haben. Im Rassestandard der FCI (Quelle: Rassestandard Nr. 265 der FCI: Norwegischer Lundehund) werden sie wie folgt beschrieben:

"Vorderpfoten: Ovale, leicht nach auswärts gedrehte Pfoten mit mindestens sechs Zehen, wovon fünf effektiv auftreten, also den Hund abstützen sollen. Acht Ballen an jeder Pfote. Anatomisch besteht der Daumen-Komplex aus einer zusammengewachsenen dreiteiligen und einer zweiteiligen Zehe mit dazugehörendem Sehnen- und Muskel-Apparat. Er verleiht der Pfote ein sehr kräftiges Aussehen."

"Hinterpfoten : Ovale, leicht nach auswärts gedrehte Pfoten mit mindestens sechs Zehen, wovon vier effektiv auftreten, also den Hund abstützen sollen. Sieben Fussballen, an jeder Pfote. Der mittlere Ballen, der grösste, ist mit den zwei inneren Ballen zusammengewachsen. Wenn der Hund normal auf ebener Fläche steht, wird das Gewicht des Körpers normal auf allen Zehenballen verteilt."

Das Fell des Lundehunds ist meist rot- bis fahlbraun mit weiß und hat stellenweise schwarze Haarspitzen. Es ist kräftig, enganliegend und relativ kurz mit weicher Unterwolle.

Auch weiße Hunde mit dunklen Abzeichen entsprechen dem Rassestandard. Der Junghund hat meist noch weniger schwarze Haarspitzen im Deckhaar als erwachsene Hunde.



Gesundheitliches:[4]

Bei den Lundehunden tritt das nach dieser Rasse benannte Lundehundsyndrom  auf. Darunter versteht man mehrere Krankheiten des Verdauungstrakts. Aufgrund des gehäuften Auftretens der Erkrankung bei dieser Hunderasse ist davon auszugehen, dass es sich um eine Erbkrankheit handelt.

Das Lundehundsyndrom gehört zum Komplex der chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (IBD) und umfasst Gastritis, Proteinverlust über den Darm (Protein Losing Enteropathy, PLE), Lymphangiektasie und Malabsorption.

Die heutige Lundehundpopulation geht auf fünf Individuen zurück, mit denen im Jahr 1961 mit einer kontrollierten Zucht begonnen wurde. Einer dieser Hunde entwickelte im Alter von drei Jahren Symptome, die denen des Lundehundsyndroms entsprechen. Seither wurde die Erkrankung immer wieder bei Hunden der Rasse beobachtet. Man kann daher davon ausgehen, dass es sich um eine Erbkrankheit handelt, die sich durch einen genetischen Flaschenhals innerhalb der ganzen Rasse ausbreiten konnte (Gründereffekt). Die Prävalenz der Krankheit innerhalb der Rasse ist sehr hoch, bei etwa der Hälfte der untersuchten Lundehunde konnte ein Proteinverlust über den Darm nachgewiesen werden.[1]

Insgesamt kann aufgrund der Komplexität des Syndroms von einer polygenen Genese ausgegangen werden. Somit wäre eine Zuchtwertschätzung zur Bekämpfung der Krankheit empfehlenswert, jedoch aufgrund der hohen Prävalenz schwierig.

Verwendung:

Lundehunde wurden auf einigen Inseln der Lofoten zur Jagd von Papageitauchern eingesetzt. Ihnen wurden dazu besondere anatomische Merkmale angezüchtet. Ein besonderer Schultergürtel macht es dem Tier möglich, die beiden Vorderläufe im 90°-Winkel seitlich wegzustrecken. Der Kopf lässt sich bis an die Wirbelsäule nach hinten biegen, wodurch sich der Hund „kürzer“ machen kann. Um die Papageitaucher nicht zu stark zu verletzen, haben die Hunde bis zu acht Backenzähne weniger. 

Wesen:

Der Norwegische Lundehund ist ein sehr wachsamer, energischer und lebhafter Hund. Desweiteren ist er kinderlieb und auch sehr freundlich. Mit anderen Hunden kommt er in der Regel gut zurecht. Ein Lundehund ist aber auch sensibeler und scheuer Hund.



Herkunft und Geschichtliches:

Im Jahr 1591 wurden die Hunde in einem Kapitel über die Insel Værøy von Erik Hansen Schønnebøl erwähnt. Der Italiener Francesco Negri berichtet 1666 von ähnlichen Hunden in der Finnmark.

Alle heute lebenden Lundehunde haben ihre Ahnen im Ort Måstad auf Værøy, da sie fast ausgerottet wurden. Die Bewohner von Røst, die ebenfalls über Jahrhunderte mit dem Hund auf Vogeljagd gegangen waren, gingen zum Vogelfang mit einem Netz über. Diese effektivere Methode wurde gebietsweise auch auf Værøy übernommen, so dass die Hunde überflüssig wurden. Sie begannen herumzustreunen und zu wildern. Daher beschlossen die Gemeindeverwaltungen auf Røst und Værøy eine Hundesteuer einzuführen, was zur Folge hatte, dass es in kurzer Zeit kaum noch einen Hund auf den Inseln gab.

In Måstad benötigte man weiterhin den Lundehund und erreichte nach einigen Protesten eine Steuerermäßigung. Somit wurde Måstad der einzige Ort, an dem diese Rasse noch existierte und wegen der Abgeschiedenheit vermischte sie sich auch nicht mit anderen Hunden. Von dieser Situation hörte 1938 Eleonora Christi. Sie erkannte, dass diese Rasse kurz vor dem Aussterben stand, und beschaffte sich drei Hündinnen und einen Rüden, um den Bestand zu retten. Drei Jahre später musste auf ihre Zucht zurückgegriffen werden, denn in Måstad starben innerhalb kurzer Zeit alle Hunde an der Staupe.[2] Eleonora Christi übergab daraufhin den Bewohnern vier Hunde, mit denen eine neue Zucht aufgebaut wurde.

Heute existiert ein kleiner aber gesicherter Bestand. 2005 waren beim nationalen Zuchtverband Norwegens NKK 1015 Lundehunde registriert.[3]

Literatur:

  1. N. Berghoff: Prävalenz und Teilcharakterisierung von Gastroenteropathien mit Proteinverlust beim Norwegischen Lundehund in Nordamerika Diss. med. vet. Hannover 2006, abgerufen am 2. Februar 2011

  2. Dag Sørli: The old fowlers' village. Bodø 1998. S. 15 ISBN 82-91138-96-6 (pdf, 33 MB)

  3. NKK-Statistik 2005 (xls, 9,5 MB)

  4. Basiert auf dem Artikel Lundehundsyndrom aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported (Kurzfassung). In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.

Dieser Artikel basiert auf dem FCI Rassestandard
Rassestandard Nr. 265 der FCI: Norwegischer Lundehund
und auf dem Artikel Norwegischer_Lundehund aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported (Kurzfassung). In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.