Nova Scotia Duck Tolling Retriever

Beschreibung:

Der Nova Scotia Duck Tolling Retriever wird umgangssprachlich auch als Toller bezeichnet und ist ein mittelgroßer, kraftvoller und kompakt gebauter Hund. Toller Rüden werden in etwa 48 cm bis 51 cm groß. Sie erreichen dabei ein Gewicht von ungefähr 20.0 kg bis 23.0 kg. Hündinnen dieser Hunderasse werden etwas kleiner und dem entsprechend leichter. Sie erreichen eine Größe, gemessen am Widerrist, die zwischen 45 cm und 48 cm liegt. Ihr Gewicht liegt dabei zwischen 17.0 kg und 20.0 kg.

Der Nova Scotia Duck Tolling Retriever hat einen leicht keilförmigen Kopf und mandelförmige, miteelgroße Augen. Die Farbe der Augen sind bernsteinfarben bis braun. Sie sollen freundlich, aufmerksam und intelligent wirken. Die mittelgroßen Ohren haben eine dreieckige Form und sind hoch am Kopf angesetzt. Sie werden in der Regel hängend getragen. In seinen Bewegungen vermittelt der Toller Kraft.

Der Nova Scotia Duck Tolling Retriever hat ein wasserabweisendes, doppeltes Haarkelid. Dies besteht aus mittellangem weichem Deckhaar mit einer noch weicheren, dichteren Unterwolle in verschiedenen Schattierungen von rot oder orange. Die Befederung und die Unterseite der Rute sind farblich etwas heller.




Gesundheitliches:

Der Toller zeigt eine Prädisposition für verschiedene Autoimmunerkrankungen[13] . Dazu gehören zum Beispiel:

  • SRMA (Steroid-Responsive Meningitis-Arteriitis)

    entzündliche Erkrankung des Rückenmarks

  • Systemischer Lupus erythematodes (SLe)

    Autoimmunerkrankung, die sich bei systemischem Befall vorwiegend an Bindegewebe und Blutgefäßen abspielen. Prinzipiell kann jedes Organ befallen werden.

  •  Addison Disease

    Diese Krankheit ist eine Unterfunktion der Nebennierenrinde (NNR), die gut behandelbar ist. Unbehandelt verläuft sie jedoch tödlich.

  • immunbedingte Polyarthritis

    Entzündung von fünf oder mehr Gelenken (Rheuma)


Laut einigen Studien weist die Rasse ein Inzuchtniveau von 26 % auf, was bedeutet, dass die Hunde untereinander verwandter als Vollgeschwister sind. Es wurde auch wissenschaftlich nachgewiesen, dass die effektive Zuchtpopulation bei 18 liegt. Zur Verbreiterung der genetischen Variabilität und zum Erhalt der Rasse sind also Einkreuzungen von Hunden anderer Rassen nötig.[5][6]

Bei der Reinzucht des Tollers gehen die Meinungen auseinander:

  • In einem Gutachten der Genetikerin Irene Sommerfeld-Stur der Veterinärmedizinischen Universität Wien wird die Reinzucht als Verstoß gegen das Tierschutzgesetz (Qualzucht) gewertet, da aufgrund der gesundheitlichen und genetischen Situation mit kranken Nachkommen gerechnet werden muss.[7]

  • Die australische Genetikerin Claire Wade von der Universität Sydney widerspricht dem und warnt vor den Risiken, die Einkreuzungen mit sich bringen würden.[8]

Einem Einkreuzungsprojekt wurde im Januar des Jahres 2011 vom VDH mit Auflagen zugestimmt. Der Deutsche Retriever Club,[9] der kanadische Nova Scotia Duck Tolling Retriever Club of Canada[10] und der Britische Nova Scotia Duck Tolling Retriever Club of UK[11] drückten Ihre Opposition gegen das Projekt aus. Der deutsche Zuchtverband, der das Einkreuzungsprojekt betrieben hatte, wurde im Juli des Jahres 2011 durch seine Mitglieder aufgelöst.[12]

Verwendung:

Der Toller wurde ursprünglich für die Entenjagd gezüchtet. In der heutigen Zeit findet der Nova Scotia Duck Tolling Retriever auch Einsatz als vielseitiger Familienhund und als Sporthund in vielen Disziplinen.

Wesen:

Der Nova Scotia Duck Tolling Retriever ist ein Hund, der ein sehr ausgeprägtes Spielverhalten zeigt. Er schwimmt gern, apportiert gut und gilt als intelligent und sehr gelehrig. Der Rasse ist hohe Ausdauer und Schnelligkeit eigen.[2] Retrieveruntypisch zeigt er bisweilen einen deutlichen Hütetrieb.[1]

Der Toller ist eine geeignete Rasse für erfahrene Hundeführer oder Anfänger, die bereit sind, sich mit der Rasse auseinanderzusetzen und dem Hund ein adäquates Umfeld mit entsprechender Beschäftigung zu bieten,[3] beispielsweise mit Agility oder Dummyarbeit[4].




Herkunft und Geschichtliches:

Der Nova Scotia Duck Tolling Retriever wird seit 1945 als Rassehund vom Canadian Kennel Club (CKC) anerkannt. Der entenanlockende Apportierhund aus Neuschottland, der Halbinsel an der Ostküste Kanadas, ist der Nationalhund von Nova Scotia. Er ist eigentlich ein hochspezialisierter Jagdgebrauchshund, der gezüchtet wurde, um Enten anzulocken, ähnlich wie die Decoyhunde in Holland und England, z. B. die Kooikerhondje, mit denen vor allem vom 17. bis 19. Jahrhundert diese und ähnliche Formen der Entenjagd betrieben wurden.

Beim Tolling auf Enten lässt der Jäger den Hund aus einem Versteck heraus mit Stöckchen am Ufer laufend apportieren. Der Nova Scotia Duck Tolling Retriever reagiert auf leiseste Bewegungen und ist sehr quirlig. Die Enten bemerken den Hund mit der auffälligen Farbzeichnung und der hetzenden Bewegung, schwimmen näher und beobachten ihn. Sobald sie in Schussweite sind, wird der Hund abgepfiffen, die Enten werden geschossen und der Hund apportiert sie aus dem Wasser.

Über die Vorfahren der Rasse gehen die Meinungen auseinander. Eine Theorie besagt, dass das Kooikerhondje eine wesentliche Rolle gespielt hat und die Rasse über Holland und England nach Kanada kam und sich dort weiterentwickelte. Andere vertreten die Meinung, dass die Indianer Füchse beim Entenanlocken beobachtet haben und Hunde züchteten, die den Füchsen in Aussehen und diesem Verhalten ähneln. Sicher ist aber, dass bereits Mitte des 17. Jahrhunderts Einwanderer über Füchse berichtet haben, die durch „Tolling“ am Ufer Enten anlockten und sie so fingen. Entsprechend wurde begonnen, Hunde zu züchten und zu trainieren.

Sichere Spuren gehen auf eine Wavy-coated Retrieverhündin von J. Allen aus dem Jahre 1860, Neufundland, zurück, die mit einem Vorläufer des Labrador Retrievers verpaart wurde, später kamen noch Cocker Spaniel und vielleicht noch Irish Setter hinzu, wegen der Farbe. Nach dem ersten Züchter waren die Hunde erst als Yarmouth Toller oder Little River Duck Dog benannt.[1] Dass die Rasse 1950 vom CKC anerkannt wurde, ist im Wesentlichen der Verdienst von Colonel Coldwell. Sein Interesse für die Rasse begann um das Jahr 1920, und er erwarb seinen ersten Nova Scotia Duck Tolling Retriever im Jahr 1924. Die Rasse war vom Aussterben bedroht, da viele Tiere zwischen 1908 und 1912 bei einer Staupeepidemie gestorben waren. In seinen Bemühungen suchte er im ganzen Land nach Hunden. In einer Zeitspanne von etwa 30 Jahren besaß er insgesamt 82 von ihnen, aus denen er eine Rasse zu formen versuchte. 1945 wurden dann 15 Nova Scotia Duck Tolling Retriever im Kennel Club registriert. 1981 erfolgte die Anerkennung durch die FCI.

Einen extrem großen Einfluss auf die Rasse hatte später Avery Nickerson mit seinem Harbourlight Kennel. Er war schon als Jugendlicher ein passionierter Jäger auf Wasservögel und Fasane. Durch seine Zuchtanstrengungen wurden die jagdlichen Eigenschaften des Nova Scotia Duck Tolling Retrieves speziell auch für das Upland Hunting (z. B. die Fasanenjagd) verbessert. Fast alle heutigen Rassevertreter haben irgendwo in ihrem Stammbaum einen Harbourlight Hund verzeichnet.

Der Toller verbreitete sich zunächst in Kanada und den USA. Erst im Jahre 1980 kam der erste Hund nach Dänemark, 1984 nach Schweden, 1985 nach Finnland. 1988 kam er nach England. Der erste Wurf in Deutschland fiel 1996 im Deutschen Retriever Club (DRC). Heute leben die meisten Toller nicht mehr in Kanada, sondern in Schweden.

Literatur:

  1. Hans Räber: Enzyklopädie der Hunderassen. Bd. 2, Franckh-Kosmos Verlag, ISBN 3-440-06555-3, Der Nova Scotia Duck Tolling Retriever, S. 694 ff.
  2. Rassestandard Nr. 312 der FCI: Nova Scotia Duck Tolling Retriever (Word-Dokument)
  3. Nona Kilgore Bauer: Nova Scotia Duck Tolling Retriever. Kennel Club Books, Allenhurst, NJ 2003, ISBN 1593783884, S. 18.
  4. Martina Lenhardt: Apportieren/Dummyarbeit – eine sinnvolle Beschäftigung für unsere Toller. In: Unser Toller. Nr. 1, 2007, S. 12.
  5. Katariina Mäki: Pedigree-based genetic diversity of worldwide Nova Scotia Duck Tolling Retriever and Lancashire Heeler dog populations. In: Journal Animal Breeding and Genetics. Nr. 127(4), 2010, S. 318–326.
  6. Irene Sommerfeld-Stur: Stellungnahme zum Immigrationsprojekt des Nova Scotia Duck Tolling Retriever Club Deutschland e.V.. 2010.
  7. Irene Sommerfeld-Stur: Auslegung §11b des Tierschutzgesetzes. 2010.
  8. Claire Wade: Stellungnahme Claire Wade. 2010.
  9. DRC: Stellungnahme des DRC. 2010.
  10. Krista Wendland: Stellungnahme kanadischer Tollerclub. 2011.
  11. D. Harding: Stellungnahme UK. 2011.
  12. Mitteilung des Zuchtverbands zur Auflösung. Abgerufen am 7. August 2011
  13. M. Wilbe et al: MHC class II polymorphism is associated with a canine SLE-related disease complex. In: Immunogenetics. 2009, S. 557-564.

Dieser Artikel basiert auf dem FCI Rassestandard
Rassestandard Nr. 312 der FCI: Nova Scotia Duck Tolling Retriever
und auf dem Artikel Nova_Scotia_Duck_Tolling_Retriever aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported (Kurzfassung). In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.