Pudel

Beschreibung:

Wenn es so etwas wie ein Universalgenie unter den Hunderassen gibt, dann ist es der Pudel. Mit seiner außergewöhnlichen Intelligenz und seinem Lerneifer ist er ein vielfältig einsetzbarer Gebrauchshund und zugleich dank seines freundlichen Wesens als Familienhund bestens geeignet, was sich auch in der Einstufung durch den FCI (Fédération Cynologique Internationale) als Gesellschafts- und Begleithund (Kategorie 9) widerspiegelt.

Charakteristisch ist das gelockte oder geschnürte Haarkleid des Pudels, das keinem jahreszeitlichen Fellwechsel unterliegt. Der quadratische Körperbau mit dem kurzen Rücken und der hochgezogenen Bauchlinie wirkt harmonisch und ausgewogen in den Proportionen. Die Rute ist hoch angesetzt, im Gang, der leichtfüßig und von tänzerischer Anmut ist, wird sie senkrecht oder nach schräg oben getragen. Der Kopf ist gradlinig und etwas länger als zwei Fünftel der Widerristhöhe. Die Augen sind leicht schräg gestellt, schwarz und mandelförmig. Der Nasenschwamm ist schwarz und gut entwickelt. Bei braunen und Apricot-Pudeln sind die Augen braun bis bernsteinfarben, die Nase ist dann braun. Der Fang ist kräftig und leicht abgestumpft mit gut ausgebildetem Scherengebiss. Die Ohren sind lang herab hängend und dicht behaart.

Das beschriebene Erscheinungsbild findet sich bei allen Schlägen, unabhängig von Größe oder Farbschlag. Der offizielle Pudelstandard  der FCI kennt vier Größen:

  • Der Großpudel mit einer Widerristhöhe von mehr als 45 cm bis 62 cm, umgangssprachlich auch Königspudel genannt, entspricht am ehesten dem ursprünglichen Zuchtbild aus dem 17. Jahrhundert.

  • Der Kleinpudel mit einer Widerristhöhe von mehr als 35 cm bis zu 45 cm, hat eine ähnlich lange Geschichte und gehörte zusammen mit dem Großpudel zum ursprünglichen Standard.

  • Der Zwergpudel mit einer Widerristhöhe ab 26 cm bis zu 35 cm wurde in den dreißiger Jahren in den Rassestandard aufgenommen.

  • Der Toypudel mit einer Widerristhöhe unter 26 cm ist seit den neunziger Jahren das jüngste Mitglied.

Bei den Farbschlägen wird unterschieden zwischen den anerkannten Farben und den sogenannten Neufarben, die noch nicht vom FCI anerkannt sind und durch den Deutschen Pudelklub seit den achtziger Jahren in einem Sonderregister geführt werden.

  • schwarz

  • weiß

  • braun

  • apricot

  • rot

  • silber

Als so genannte Neufarben gelten: schwarz-lohfarben und schwarz-weiß gescheckt.


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Haltung und Pflege eines Pudels

Prinzipiell ist der Pudel ein unkomplizierter Hund. Wenn er angemessen beschäftigt wird und ausreichend Bewegung bekommt, kann er auch problemlos in einer Wohnung gehalten werden. Eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Ungezieferprophylaxe sind Selbstverständlichkeiten bei jeder Hundehaltung, ganz unabhängig von der Rasse.

Etwas Aufmerksamkeit bedürfen die Hängeohren und und die ausgeprägten Zwischenzehenhäute, die, wie bei allen Rassen mit diesen Merkmalen, öfter kontrolliert und gereinigt werden sollten. Bei den Ohren ist außerdem zu beachten, dass auch im äußeren Gehörgang die Haare ständig nach wachsen. Sie müssen regelmäßig entfernt werden, damit sie nicht verfilzen, da sie sonst zu schmerzhaften Entzündungen führen können.

Eine Besonderheit des Pudels ist allerdings sein Haarkleid, das keinem jahreszeitlichen Wechsel unterliegt, sondern beständig nach wächst. Damit es nicht verfilzt, muss es regelmäßig gebürstet werden, nicht unbedingt täglich, aber mindestens zweimal in der Woche. Quasi als Gegenleistung verteilt der Pudel aber dann auch keine Haare mehr in der Wohnung.

Alle 6 bis 8 Wochen sollte nach einem vorher gehenden Bad und anschließender gründlicher Trocknung eine Schur erfolgen, um das Dauerwachstum zu bändigen. Im einfachsten Fall wird das Haarkleid nur reguliert, doch die einzigartige Beschaffenheit des Pudelkleides hat den Gestaltungswillen der Pudelliebhaber schon immer heraus gefordert.

Die traditionelle Standardschur (Löwenschur) hat ihren Ursprung in der Zeit, als der Pudel zu Entenjagd eingesetzt wurde: Das Wollhäubchen diente zur Befestigung eines Farbbandes und durch die nackten Läufe wurde das Schwimmen in bewachsenen Gewässern erleichtert. Das dichte Gewölle am Vorderkörper und die Röllchen an den Pfoten verhinderten, dass der Körper zu schnell auskühlt. Heute ist diese Schur eher unüblich. An ihre Stelle sind Modeschuren wie beispielsweise der English Saddle Clip, der Continental Clip oder der Puppy Clip getreten.

Der pudeltypische quadratische Körperbau sorgt für eine ausgewogene Belastung der Wirbelsäule und Gelenke, deshalb sind die meisten der von anderen Rassen bekannten Alterserkrankungen des Bewegungsapparates beim Pudel so gut wie nie an zu treffen. Die bei allen größeren Hunderassen gefürchtete – erblich bedingte – Hüftdysplasie tritt durch entsprechende Zuchtwahl bei den Großpudeln nur noch selten auf.

Bei den kleineren Schlägen kommt gelegentlich die ebenfalls erblich bedingte progressive Retinaatrophie vor , die zur Erblindung führt, sowie der Graue Star.

Eine typische Erkrankung der Zwerg- und Toypudel ist die, als Patellaluxation bezeichnete, krankhaften Verlagerung der Kniescheibe, auch sie ist erblich bedingt und belastete Linien werden von der Zucht ausgeschlossen.

Eher selten tritt bei Pudeln die Sebadenitis auf, bei der eine Störung des Immunsystems die Talgdrüsen zerstört, mit der unschönen Folge, dass die Haare ausfallen.


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Wesen

Der Pudel ist ein sehr geselliger Hund, der sich im Familienverband ausgesprochen wohl fühlt und durch sein umgängliches Wesen gut mit Kindern und anderen Haustieren auskommt. Dabei verfügt er über ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein, mangelnde Aufmerksamkeit fordert er auch schon einmal nachdrücklicher ein.

Er will gefordert werden, weshalb er gerne Aufgaben übernimmt, die er dann mit spielerischer Begeisterung absolviert. Den Spaß an Kunststücken wussten Schausteller schon früher zu nutzen, gerne erfindet er auch selbst welche. Als agiler und bewegungsfreudiger Hund ist er der ideale Partner für alle Hundesportarten, von Agility bis zu Pudelrennen.

Seine vielfältigen Talente und die schnelle Auffassungsgabe sind immer wieder verblüffend, nicht nur beim Hundesport, sondern auch bei der „Arbeit“ als Gebrauchshund. Charakterfest und feinfühlig wie der Pudel ist, eignet er sich selbst für anspruchsvollere Aufgaben, zum Beispiel als Schutzhund oder Blindenhund.

Die Jagdlust seiner Vorfahren hat der Pudel – mit Ausnahme der Großpudel – heute weitgehend verloren, nur der Drang ins Wasser ist unvermindert so stark wie bei seinen Ahnen, den Wasserhunden.


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Herkunft und Geschichte:

Der Pudel gilt als eine der ältesten Hunderassen überhaupt, seine genaue Herkunft ist bis zum heutigen Tage ungeklärt. Ein möglicher Ursprung könnten die Wasserhunde sein, die im 6. Jahrhundert im Zuge der maurischen Eroberung der iberischen Halbinsel nach Europa kamen und als wahrscheinliche Vorläufer des französischen Barbet gelten. Andere Theorien verorten die Ahnen des Pudels im Osten Europas, hier werden etwa der Wolfspitz in Russland, der kaukasischen Owtscharka und ein ungarischer Zottelhund, der unter der Bezeichnung Scharwenzel bekannt war, genannt. Als wahrscheinlichste Theorie gilt heute die Vermutung des Berner Professors Theodor Studer, dass der Pudel aus einer Kreuzung zwischen einem zotthaarigen Hütehund und einem Jagdhund hervor gegangen ist.

Darstellungen, beispielsweise von Albrecht Dürer und Tilmann Riemenschneider, und die Beschreibung eines Wasserhundes durch den Naturforscher John Kaj gelten als Belege, dass der Pudel in seiner heutigen Erscheinungsform bereits im 15. Jahrhundert bekannt war. Für zumindest pudelähnliche Hunde mit Löwenschur finden sich sogar bereits früheste Zeugnisse auf Reliefs aus der Zeit des römischen Kaisers Augustus, also um Christi Geburt.

Im 17. und beginnenden 18. Jahrhundert fand der Pudel – vornehmlich als Jagdhund für die Entenjagd – weitere Verbreitung in Europa. Besonders in Frankreich und Deutschland erfreute er sich bei der adeligen Jägerschaft großer Beliebtheit. Das änderte sich mit dem Auftauchen der glatthaarigen Jagdhundrassen, die den pflegeintensiven Pudel aus den Jagdrevieren in die feinen Salons vertrieben. Die Damen der besseren Gesellschaft hatten ihn nämlich inzwischen als standesgemäßes Accessoire entdeckt. Besonders die zunehmend beliebteren kleineren Schläge fristeten bis in die 1860er Jahre ein oft wenig artgerechtes Dasein als Schoßhunde und Frisierpüppchen.

Auch wenn in der Folgezeit das Interesse an der Rasse erlahmte, fand sie doch immer noch ihre Liebhaber, die im Jahr 1893 den Deutschen Pudelklub – zunächst unter dem Namen „Münchner Pudelklub“ – gründeten. Der etablierte erst einen rein deutschen Standard, was sich nicht vor 1936 änderte, als ein gemeinsamer Standard mit dem französischen Pudelklub (Club du Caniche de France) vereinbart wurde. Dieser Einigung ging eine längere Auseinandersetzung um den Ursprung des Pudels voraus, den Frankreich, Deutschland und Russland gleichermaßen für sich beanspruchten und die erst endete, als der Deutsche Pudelklub Frankreich als offizielles Ursprungsland anerkannte.

Blieb das allgemeine Interesse am Pudel zunächst auch weiterhin verhältnismäßig gering, so änderte sich das schlagartig in den 1960er Jahren: 1962 avancierte der Pudel zum beliebtesten Rassehund Europas. Diesen Rang behielt er bis 1972. Aktuell rangiert er in Deutschland mit zirka 2.000 Welpen jährlich regelmäßig im Mittelfeld der Top Ten des VDH.