Fährtenarbeit

Für Hunde ist ihre Nase das wichtigste Sinnesorgan. Dieses besonders empfindliche Organ ist außerordentlich ausgeprägt und riecht im Verhältnis zum Menschen etwa eine Millionen Mal besser. Mit ihrer Nase können Hunde Beute aufspüren, Gefahren wittern oder sich auf Partnersuche begeben. Aufgrund ihres perfekten Riechsinnes werden Hunde aber auch schon lange als Suchspezialisten bei Suchaktionen der Polizei oder Rettungsdiensten eingesetzt.

Dabei kann man einen Hund auf zwei verschiedene Arten Spuren aufnehmen lassen: Beim sogenannten Mantrailing lässt man die Hunde die tatsächliche Geruchsspur eines Menschen aufnehmen und verfolgen. Die Geruchspartikel dieses menschlichen Individualgeruches werden über den Wind verbreitet.

Eine weitere Möglichkeit der Spurenaufnahme bildet die Fährtenarbeit. Dabei lässt man die Hunde dem Geruchbild einer mechanischen Spur folgen, das durch eine beschädigte Erdoberfläche, zertretene Pflanzen oder Kleinstlebewesen entstehen kann. Da der Hund dabei mit seiner Nase eine Fährte absucht, wird synonym zum Begriff Fährtenarbeit auch oft auch der Begriff Nasenarbeit verwendet.

Eine (menschliche) Duftspur kann bei guten Bedingungen über Wochen erhalten bleiben und von den Hunden auch so lange einem Individuum zugeordnet werden, während die mechanische Spur für sie oft nur für einige Stunden verfolgbar ist. Zwar erlernen viele Diensthunde oder Rettungshunde die Fährtenarbeit bzw. Nasenarbeit, jedoch kann diese aufgrund der Kurzweiligkeit der mechanischen Spur beispielsweise bei der Suche nach vermissten Personen oft nicht mehr eingesetzt werden.

Viele private Hundebesitzer haben jedoch die Fährtenarbeit als eine gute Möglichkeit entdeckt, um sich gemeinsam mit ihren Hunden aktiv zu beschäftigen. Deshalb hat sich die Nasenarbeit mittlerweile insbesondere im Freizeitbereich als Beschäftigungsmöglichkeit für Mensch und Tier etabliert und wird von einer zunehmenden Anzahl von Hundebegeisterten als professioneller, regelmäßiger Sport betrieben.

Die Hunde müssen für die Fährtensuche gezielt ausgebildet werden, da sie von Natur aus eher der Duftspur als der mechanischen Spur folgen. Deshalb wird die Fährtenarbeit im Hundesport regelmäßig und auf verschiedenen Wegen trainiert. Die Hunde können dabei eine Ausbildung im Bereich Schutzhund oder Gebrauchshund ablegen.

Im Rahmen der Ausbildung wird auf möglichst vielen Geländen mit unterschiedlichsten Erdoberflächen geübt, so dass jede mögliche Situation mit den Hunden schon mindestens einmal durchgespielt wurde. Auf dem ausgewählten Gelände, beispielsweise einer Wiese oder einem Acker, legen die Fährtenleger eine Spur, die sogenannte Fährte, auf die Gegenstände (z.B. Holz oder Leder) abgelegt werden. Diese hat der Hund beim Absuchen, der sogenannten Ausarbeitung, passiv anzuzeigen oder aufzunehmen. Die Auslegung der Fährte kann dabei auf zwei verschiedene Arten erfolgen: zum einen durch den Hundeführer selbst (Eigenfährte) und zum anderen durch einen anderen Fährtenleger, so dass die Fährte dem Hundeführer selbst nicht bekannt ist (Fremdfährte).

Der Beginn einer Fährte wird als Abgang bezeichnet und durch einen sogenannten Abgangsstab markiert. Die Fährte selbst besteht dann aus mehreren gradlinigen oder bogenförmigen Schenkeln und verschiedenen Winkeln zwischen diesen Abschnitten.

Je nach Leistungsstufe fallen während der Ausbildung der Hunde verschiedene Prüfungen an, in denen auf unterschiedliche Weise getestet wird, ob und wie gut sie eine Fährte lesen und verfolgen können. Je nach Ausbildungsstand eines Hundes wird beispielsweise erst eine bestimmte Zeit nach der Fährtenlegung mit der Ausarbeitung begonnen. Zu Beginn einer Ausbildung lässt man den Hund circa 20 Minuten nach der Fährtenlegung die Spur aufnehmen, später kann bis zu drei Stunden mit der Ausarbeitung gewartet werden. Weiterhin kann auch der Schwierigkeitsgrad durch andere Veränderungen bei der Fährtensuche erhöht werden. Dazu zählen unter anderem Richtungswechsel bei der Fährte und sogenannte Verleitungsfährten, die die ursprüngliche Fährte kreuzen und testen, ob sich der Hund davon ablenken lässt oder die eigentliche Fährte verfolgt. Die Leistung der Hunde wird am Ende in eine von drei Kategorien eingeordnet: je nachdem wie der Hund mit den Verleitungen umgeht wird zwischen fährtenfest, fährtensicher und fährtenrein unterschieden.

Es wird deutlich, dass die Fährtenarbeit als anspruchsvoller Hundesport sehr vielseitig und abwechslungsreich ist – sowohl für den Hundebesitzer als auch den Hund selbst, der dadurch aktiv gefordert und gefördert wird. Viele Hundebesitzer üben mit ihren Hunden jedoch nicht nur für sich, sondern nehmen auch an Wettkämpfen teil, in denen die Hunde bei der Nasenarbeit gegeneinander antreten.