Hütearbeit / Leistungshüten

Der Beruf des Schafhirten weckt romantische Bilder von idyllischer Natur in trauter Einsamkeit mit Schafherde und Hund...die Wirklichkeit sieht aber anders aus: Schafe hüten ist harte Knochenarbeit für einen sehr geringen Lohn. Kein Wunder, dass immer weniger Menschen diese Tätigkeit beruflich ausüben möchten. Wer die romantischen Seiten des Schafe hüten kennenlernen möchte, kann aber auf Hütehund-Wochenenden und bei Wettbewerben Landluft schnuppern – und dabei seinen Hund auf Hütetauglichkeit testen. Das schafft ein besonders inniges Zusammengehörigkeitsgefühl sowie Verständnis und Anerkennung zwischen Hund und Besitzer.

Hütewettbewerbe

Der Begriff Hütewettbewerb, auch Trial oder Leistungshüten genannt, besitzt zwei verschiedene Bedeutungen: Zum einen bezeichnet er eine Gebrauchsprüfung für Arbeitshunde. Hunde, die beim Leistungshüten gut abschneiden, sind danach qualifizierte Hütehunde, die im echten Schafhütedienst eingesetzt werden können. Eine weitere Gebrauchsprüfung ist zum Beispiel der Schutzhund.

Es gibt aber auch Hütewettbewerbe auf rein sportlicher Basis, bei der Hund und Halter ihre Fähigkeiten im Hüten unter Beweis stellen können. Sie werden oft von Schafhalter-Vereinen organisiert und durchgeführt. Dennoch muss man kein ausgebildeter Schäfer sein, um an diesen Wettbewerben teilnehmen zu dürfen. Allerdings sollte der Hund eine gewisse Erfahrung im Umgang mit Schafen haben, zum Beispiel durch ein oder mehrere Trainingswochenenden.
Hütewettbewerbe gibt es sowohl auf regionaler Ebene als auch Deutschland- und Europaweit.

Anforderungen an Hund und Hirte

Allgemein werden die Zusammenarbeit von Hirte und Hund bewertet sowie das Zusammenhalten und Treiben der Herde. Auch Fleiß, Selbstständigkeit und Gehorsam der Hunde fließen in die Wertung mit ein. Ein Hütehund muss die Herde führen können und gleichzeitig beschützen. Außerdem muss er beweglich sein und es lieben, zu laufen. Der Hirte muss sowohl den Hund als auch die Herde im Griff haben, was ein ausgeprägtes Einfühlsamkeitsvermögen gegenüber den Tieren erfordert. Er sollte auch in schwierigen Situationen einen kühlen Kopf bewahren können.

Aufgaben und Prüfungen

Je nach Ausrichter des Wettbewerbs gibt es verschiedene Aufgaben, die Hund und Hirte zu erfüllen haben. Auch die Größe der Herde und ob ein oder mehrere Hunde eingesetzt werden, unterscheidet sich von Wettbewerb zu Wettbewerb. Im Folgenden werden einige mögliche Aufgaben beschrieben, die in der Regel einzeln mit Punkten bewertet werden.

Einpferchen: Die Hunde sollen die Herde in einen Pferch hinein treiben.

Auspferchen: Eine mindestens 200 Tier starke Herde, die Hirte und Hunden nicht bekannt ist, soll aus einem Pferch heraus getrieben werden. Danach sollen die Hunde die Herde zusammenhalten.

Brücke: Die Herde soll eine Brücke (real oder simuliert) überqueren. Die Hunde müssen darauf achten, dass kein Schaf an der Brücke vorbei läuft und die gesamte Herde sicher auf die andere Seite kommt.

Engweg: Die Herde wird durch einen engen, langen Treibweg geführt. Die Schafe sollen auf dem Weg gehalten werden und keine Fressschäden an den Seiten hinterlassen.

Enges Gehüt: Den Schafen steht nur ein sehr kleines Gebiet zur Verfügung, sie fressen und stehen sehr eng zusammen. Die Hunde sind hier besonders gefordert, da die Schafe dazu neigen, den engen Raum verlassen zu wollen.

Weites Gehüt: In einem großen, nicht eingezäunten Gebiet sollen die Schafe von den Hunden in einem bestimmten Teil gehalten werden.

Verkehr und Hindernisse: Die Herde soll an einer breiten Straße entlang getrieben werden. Um die Schafe vor dem Verkehr zu schützen, sollen die Hunde sich zwischen Fahrzeugen und Herde bewegen.

Auslaufen: Um eine Herde zu holen, muss der Hund hinter die Schafe gelangen. Dazu soll er in einem Bogen, der etwa birnenförmig aussehen soll, hinauslaufen, während der Hirte am Startpunkt wartet.

Tempo: Wenn der Hund auf die Schafe trifft, muss er dies in einer angemessenen Geschwindigkeit tun, sodass die Schafe nicht zu schnell oder zu langsam loslaufen.

Gerade Linie: Die Schafe sollen in offenem Gelände auf einer möglichst geraden Linie geführt werden.

Trennung: Eine bestimmte Anzahl von Schafen soll von der Herde abgetrennt werden. Dies erfordert ein gutes Zusammenspiel von Hirte und Hund, da weder die Hauptherde noch die abgetrennte Gruppe ein festgelegtes Gebiet verlassen sollen.

Geeignete Hunderassen

Als klassische Hütehunde gelten Border Collies. Diese intelligente und aufmerksame Hunderasse, die aus dem Grenzgebiet zwischen Schottland und England stammt, lernt sehr schnell, auch Fehler, und braucht daher eine intensive Erziehung. Der lebhafte und sensible Border Collie braucht viel Beschäftigung, aber auch viel Ruhe. Auch andere Collie-Arten, wie bearded, lang- oder kurzhaarig sind für die Arbeit mit Schafen geeignet.

Der deutsche Schäferhund trägt seine Berufung bereits im Namen. Eine geduldige, verständnis- und liebevolle Erziehung tut dem selbstbewussten und lernwilligen Schäferhund gut. Sein beschützendes Wesen sowie der Wunsch nach geistiger und körperlicher Betätigung machen ihn zu einem idealen Hütehund.

Auch der Shetland Sheepdog mit seinem gutmütigen, lernwilligen und intelligentem Wesen eignet sich gut als Hütehund. Er zeigt sich nicht ängstlich, aber reserviert gegenüber Fremden.

Extra für die Hütearbeit gezüchtet ist der Australian Shepherd. Er erfüllt alle Anforderungen an einen Hütehund und zeigt den ausgeprägten Wunsch, seinem Halter zu gefallen.

Weitere Hunderassen, die sich für Hütearbeiten eignen sind Bernhadiner, Sennenhunde, Kangals, sowie Welsh Cordi Cardigans und Pembrokes.