Degenerative Myelopathien der Hunde

Degenerative Myelopathien bei Hunden wurden 1973 zum ersten Mal in einer Abhandlung veröffentlicht. Hierbei handelt es sich um eine langsam verlaufende, neurologische Zerstörung des Rückenmarks, die hauptsächlich bei älteren Hunden ab dem 5. Lebensjahr auftritt, unabhängig vom Geschlecht ist und sich durch weitreichende Ataxien (= Störung der Bewegungsabläufe) der Hinterhand äußert. In seltenen Fällen kann die Erkrankung auch bei Junghunden diagnostiziert werden, ist hier allerdings sehr Rassespezifisch.




Degenerative Myelopathien bei älteren Hunden


Die schmerzlose Erkrankung betrifft vor allem große Hunderassen. Da vielfach der Deutsche Schäferhund von der degenerativen Myelopathie betroffen ist, wird sie auch als „Schäferhundekrankheit“ bezeichnet. Verantwortlich ist vermutlich eine Mutation des SOD1-Gens, was zu einer Degeneration des Rückenmarks im Brust- und Lendenbereich führt. Es kommt zu unkoordinierte Bewegungen der Hinterhand und die Eigenwahrnehmung der hinteren Gliedmaßen sowie die Reflexe werden gestört.

Degenerative Myelopathien zeigen sich durch Umfallen oder Stolpern bei Wendungen, spontaner Überkötung (= Hinterhand-Pfote wird nicht hoch genug gehoben und der Fuß wird überstülpt), später auch mit Zehenschleifen. Im fortgeschrittenen Stadium kommt es zu einer Lähmung und der erkrankte Hund kann nicht mehr selbstständig aufstehen oder ist ohne Unterstützung nicht mehr in der Lage zu gehen.

Nur durch eine Autopsie können degenerative Myelopathien sicher diagnostiziert werden. Vorher müssen jedoch durch umfangreiche Diagnosen (Laboruntersuchungen, Röntgenaufnahmen, neurologische Untersuchungen etc.) andere Erkrankungen (z.B. Bandscheibenvorfall, fibrokartilaginöse Embolie, Cauda-equina-Syndrom, Wobbler-Syndrom, Tumorerkrankungen) ausgeschlossen werden. Seit 2009 ist auch ein Gentest möglich, allerdings können die Ergebnisse bisher noch nicht als 100%ig sicher gewertet werden.

Degenerative Myelopathien können möglicherweise durch Physiotherapie, aber auch durch tägliches Laufen oder Schwimmen beeinflusst werden. So soll versucht werden, die Koordination und die Muskulatur zu verbessern und somit das Fortschreiten der Myelopathie zu verzögern. Ein speziell vom Tierarzt angepasster Expander kann die Beinmuskulatur trainieren, der durch ein Brustgeschirr am Hund befestigt wird und die Vorfussung unterstützt und stabilisiert. Wenn dem erkrankten Hund die Kraft für ausgedehnte Spaziergänge fehlt, gibt es in einigen Fällen es auch noch die Möglichkeit, einen speziellen Rollwagen zu verwenden. Allerdings gilt dieses nur in Ausnahmefällen und der Hund sollte noch in der Lage sein, sich zu Hause ohne fremde Hilfe fortzubewegen.

Nach aktuellen Studien bringt die Behandlung mit Medikamenten gegenüber einer Physiotherapie keinen Vorteil und kann den Krankheitsverlauf einer degenerativen Myelopathie somit nicht aufhalten. Die Verabreichung von Vitamin B kann die Funktion des Nervensystems unterstützen, während Vitamin E die Abwehrkräfte unterstützt. Auch Akupunktur oder chinesische Heilkräuter können hilfreich sein, den Prozess jedoch ebenfalls nicht aufhalten.

Alle bisher bekannten Behandlungsmöglichkeiten sind wenig erfolgversprechend. Häufig bleibt spätestens zwei Jahre nach Auftreten der ersten Krankheitssymptome nur noch die Einschläferung des erkrankten Hundes, um ihm weiteres Leiden zu ersparen.


Degenerative Myelopathien bei jungen Hunden

Diese Form der Myelopathie tritt nur sehr selten auf, ist Rassenspezifisch und kann nicht therapiert werden. Bei einer Diagnosefindung muss sichergestellt werden, dass angeborene Rückenmarkfehlbildungen (z.B. Syringomyelie, Hydromyelie), aber auch infektiöse Erkrankungen (z.B. Toxoplasmose, Neosporose, Staupe) ausgeschlossen werden können.




Ataxie und Myelopathie der Terrier (Hereditäre Ataxie)

Diese Erkrankung tritt beim Foxterrier, Jack Russel Terrier und Parson Russel Terrier im Alter von 2-6 Monaten auf. Es handelt sich hierbei um einen Rückenmarkabbau im Hals- und Brustbereich. Anzeichen für die Myelopathie sind Hypermetrie (= ausladende Bewegungen), Muskelzittern sowie eine breitbeinige Hinterbeinstellung. Charakteristische Anzeichen sind auch eine Umfallneigung sowie die Unfähigkeit, alleine wieder aufzustehen. Zusätzlich kann es beim Jack Russel Terrier bzw. Parson Russel Terrier zu einer Taubheit durch eine Schädigung des Hörnervs kommen.


Hound-Ataxie bei Beagle und English Foxhound

Die Hound-Ataxie tritt im 2.-7 . Lebensjahr auf, bei der es zu einer Degeneration im Brustmark sowie im Hirnstamm kommt. Als Ursache wird die hauptsächliche Fütterung des Hundes mit Pansen vermutet. Äußerliche Anzeichen wie z.B. Bewegungsstörungen, spastische Parese (= Lähmung) oder ein schwach ausgebildeter Pannikulusreflex deuten auf eine Hound-Ataxie hin.


Afghanenmyelopathie

Es wird vermutet, dass diese Erkrankung, die zu einer Degeneration im Hals- und Brustmark führt, erblich bedingt ist. Sie entsteht bei Afghanen während des ersten Lebensjahres und äußert sich durch Paresen, die sich innerhalb weniger Wochen zu einer kompletten Lähmung sämtlicher Gliedmaßen entwickelt.


Degenerative Myelopathie beim Zwergpudel

Hierbei handelt es sich wahrscheinlich um eine angeborene Demyelinisierung (= Entmarkung) des Rückenmarks und des Mittelhirns. Sie entwickelt sich beim Zwergpudel zwischen dem 2. und 4. Lebensmonat und auch hier zeigen sich anfangs zunächst Paresen und später kommt es schließlich zur kompletten Lähmung sämtlicher Gliedmaßen.


Leukoenzephalomyelopathie beim Rottweiler

Auch diese Erkrankung ist wahrscheinlich erblich bedingt, bei der es zu einer Demyelinisierung des kompletten Zentralnervensystems (hauptsächlich im Rückenmark und Hirnstamm) kommt. Rottweiler können bis zum 3. Lebensjahr ein fortschreitende Ataxie entwickeln und binnen sechs Monaten nicht mehr selbstständig aufstehen und stehen. Allerdings bleiben die Rückenmarkreflexe erhalten.


Dalmatiner-Leukodystrophie

Die bei Dalmatinern vorkommende Erbkrankheit zeigt sich ab dem 3. Lebensmonat durch Schwund des Großhirns und Erweiterung der Hirnventrikel. Es kommt zu Sehstörungen und einer Ataxie. Der erkrankte Hund ist nicht mehr in der Lage zu stehen.


Fibrinoide Leukodystrophie (Alexander's Disease)

Diese sehr seltene und bisher ungeklärte Erkrankung tritt bei Labrador Retrievern, Scottish Terriern und Zwergpudeln auf. Es kommt zu einer Degeneration der Astrozyten (= Sternzellen), die zwischen dem 3. und 6. Lebensmonat mit einer Hinterhandlähmung, einer Ataxie sowie einer fortschreitenden Schwäche beginnt. Auch Verhaltensveränderungen sind möglich, beim Scottish Terrier kann es auch zu Anfällen kommen.


Spinale Muskelatrophie (Stockard disease)

Hierbei handelt es sich um eine Erkrankung, die bei Rottweilern, Deutschen Doggen, Dobermännern, English Pointers, Epagneul Bretons und Lapphunden vorkommt. Bereits im Welpen-Alter zeigen sich eine Atrophie der Rückenmuskulatur, später kommt es zu Paresen oder gar Paralysen.


Nekrotisierende Myelopathie beim Kooiker-Hund

Während der ersten drei Lebensmonate tritt diese Erkrankung beim Kooiker-Hund auf, bei der es sich um eine Degeneration im Halsmark handelt und die sich durch erhöhte Reflexe und fortschreitende Lähmungen äußert.


Progressive Degeneration beim Ibiza-Hund

Bereits bei den ersten Gehversuchen des Ibiza-Hundewelpen zeigen sich progressive Lähmungen, zunächst an der Hinterhand, später auch an der Vorderhand. Im weiteren Verlauf kommt es zu Spastizität (= verstärkter muskulärer Widerstand gegen passive Bewegungen) und Dysmetrien (= Störung der willkürlichen Bewegungsabläufe), manchmal auch zu Anfällen.


hundewutz.de übernimmt keine Gewährleistung bezüglich der Richtigkeit dieses Textes. Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und darf den Besuch beim Tierarzt nicht ersetzen, falls ihr Hund gesundheitliche Probleme haben sollte.