Brachyurie

Die angeborene Verkürzung des Schwanzes beim Hund wird als Brachyurie (von griechisch brachýs "kurz" und oyrá "Schwanz") oder Stummelrute bezeichnet. Ein Teil des Schwanzes ist immer noch vorhanden. Fehlt der Schwanz vollständig, spricht man von Anurie oder Schwanzlosigkeit. Die Brachyurie sollte aber nicht mit dem Kupieren verwechselt werden. Hier wird der Schwanz des Hundes ganz oder teilweise vom Menschen amputiert.




Durch eine autosomal-dominante C189G-Mutation des T-box-Transkriptionsfaktors, die in ihrer homozygoten Form als Letalfaktor wirkt, wird die Brachyurie bei 17 verschiedenen Hunderassen verursacht. Die genetische Ursache ist bei sechs weiteren Hunderassen nicht bekannt. Hier erfolgt die Vererbung möglicherweise polygen rezessiv. Zur Zucht sind Hunde, bei denen eine Brachyurie vorliegt, aus medizinischer Sicht und aus Sicht des Tierschutzes nicht geeignet. Bei einigen Hunderassen wird eine Brachyurie jedoch im Standard gefordert. Dazu gehören zum Beispiel der Entlebucher Sennenhund, der English Cocker Spaniel, der Bobtail (Old English Sheepdog), der Mops, der Welsh Corgi Pembroke, der Australian Shepherd, die Englische Bulldogge und der Schipperke. Hier sollte vor dem Zuchteinsatz jedoch mittels einer Röntgenuntersuchung geklärt werden, ob assoziierte Fehlbildungen der Wirbelsäule vorliegen. Die Paarung von stummelschwänzigen Hunden einer Hunderasse, bei der eine laterale Brachyurie vorliegt, sollte vermieden werden. Als Variante kommt die Brachyuri bei einigen Hunderassen, wie zum Beispiel dem Dackel und dem altdeutschen Hütehund, vor.

Ob eine Brachyurie vorliegt kann durch einen DNA-Test nachgewiesen werden. Das ist vor allem anzuraten, wenn nicht sicher ist, ob die Stummelschwänzigkeit krankheitsbedingt oder durch kupieren entstanden ist. Es ist zu beachten, dass das kupieren seit 1998 in Deutschland verboten ist und nur in Ausnahmefällen von einem Tierarzt durchgeführt werden darf, wenn es medizinisch notwendig ist. Seit 2002 ist laut Tierschutzhundeverordnung das Ausstellen kupierter Hunde verboten. Mit ca. 1,0ml EDTA-Blut wird der DNA-Test durchgeführt. Alternativ kann auch mit einem Tupfer ein Backenabstrich durchgeführt werden. Die Probe wird im Labor untersucht und man erhält in der Regel nach ca. einer Woche das Testergebnis. Um eine größtmögliche Testsicherheit zu erhalten, sollte die Probe in zwei voneinander unabhängigen Testansätzen untersucht werden.


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